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Der renommierte Pharmakologe an der Universität Graz, Prof. Dr. B. Mayer, räumt mit seiner Ausarbeitung zum Thema „Ist Nikotin ein Gift?“ mit einem verbreiteten Mythos auf.
In dem Text macht er verständlich klar, dass die Aussage über einen Stoff, er sei ein Gift, ohne Angabe einer Dosis, sinnlos ist. Er stellt dies aber nicht schlicht als Behauptung auf, sondern belegt es unter Berufung auf Standardwerke aus dem Bereich der Toxikologie und die Erkenntnisse bekannter Forscher auf diesem Gebiet.
So zitiert er aus dem Lehrbuch der Toxikologie:

Es muss zunächst noch einmal betont werden, dass ein Agens nicht „giftig“ sein kann. Die Begriffe „giftig“ oder „Gift“ müssen immer auf eine Dosis hinauslaufen: Es mag ein Dosisbereich existieren, in dem ein bestimmtes Agens eine giftige Wirkung entfaltet. Es gibt immer auch Expositionsbereiche eines Agens, die keine unerwünschten Wirkungen auslösen.

Es gibt für jede Substanz einen sogenannten „no-effect-level“, weshalb eine Aussage über die Giftigkeit nur in Verbindung mit der Angabe der Dosis eine sinnvolle Aussage ist. Damit widerlegt er auch die gerne fälschlich getroffene Aussage, es gäbe keine „untere Grenze“ für die Schädlichkeit eines Stoffes.

Im weiteren Verlauf räumt er auch mit dem Begriff des „Schadstoffes“ auf, der ebenfalls ohne Angabe einer konkreten Menge bzw. Dosis keine Aussagekraft hat.

Schließlich geht er auf die verbreitete Aussage, Nikotin sei ein „Nervengift“ ein, was aufgrund seiner Ausführungen gehaltlos ist. Selbst die Frage, ob Nikotin denn im Sinne von Kobert ein „unbedingtes Gift“ (also ein Stoff der ausschließlich negative Wirkungen auf den Körper ausübt) sei, verneint er, da Nikotin in bestimmten Dosierungen durchaus positive Auswirkungen auf den Körper hat. Insgesamt ist eine große Menge Nikotin als Bolus notwendig, um eine Wirkung als Nervengift zu entfalten.

Die Ausarbeitung ist eine wertvolle Argumentationshilfe, wenn wieder einmal mit dem „Gift-Argument“ gegen das E-Dampfen gearbeitet wird, zumal sie fundiert begründet und aus berufenem Munde stammt.


Agens – Synonym: Agenzie, Agentie – Englisch: agent – Definition: Als Agens bezeichnet man ein wirkungsaktives Mittel, eine wirksame Substanz oder einen pathogenen Faktor. Quelle: http://flexikon.doccheck.com/de/Agens

No-Effect-Level – Abkürzung NEL, die maximale Konzentration oder Dosis eines Stoffes, die Organismen (z.B. Versuchstieren) unter bestimmten Versuchsbedingungen verabreicht werden kann, ohne erkennbare toxische Wirkungen (z. B. Tumoren) hervorzurufen. In der toxikologischen Prüfung ermöglicht der NEL-Wert den Vergleich der Wirksamkeit chemischer Substanzen. In der umweltbezogenen Toxizitäts- oder Kanzerogenitätsprüfung dient er der Risikobewertung von Schadstoffexpositionen (Aufstellung einer Dosis-Wirkungs-Beziehung) und der Grenzwertableitung. Quelle: http://www.wissen.de/lexikon/no-effect-level

Rudolf Kobert – deutscher Medizinhistoriker und Pharmakologe – 1854 bis 1918, https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Kobert

Bolus – von griechisch: βόλος (bolos) – Klumpen – Englisch: bolus – Definition: Die Gabe von Medikamenten, Kontrastmitteln oder Sondennahrung innerhalb eines kurzen Zeitintervalls, um schnell einen hohen Wirkspiegel bzw. eine schnelle Anflutung zu erreichen. Quelle: http://flexikon.doccheck.com/de/Bolus