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Der Begriff Genuss umschreibt angenehme Sinnesempfindungen, die zum Wohlbefinden beitragen.

Voraussetzung ist,

  • dass die betreffenden Sinnesorgane funktionieren
  • und eine grundsätzliche Genussfreude (Hingabe, im Gegensatz zur asketischen Lebenseinstellung).

Unterstützt wird der Genuss durch Zeit. Ruhe und evtl. durch Übung.

Dampfen eröffnet nicht gekannte Freiheiten, sich seinen Alltag im Kleinen nach individuellem Geschmack angenehm zu gestalten und je nach Bedarf zu variieren.

Dampfen ist ein Lebensgefühl. Im Folgenden geht es um optischen, haptischen, olfaktorischen und gustatorischen Genuss.

Optischer Genuss

Sichtbares Licht und seine Wechselwirkung mit Materie sind die wichtigen Reize des Auges. Das Sehen ist für viele Menschen besonders wichtig, deshalb steht es hier an erster Stelle und nimmt den meisten Raum ein.

Auf den “ersten Blick” wird der Sinnesreiz des Auges beim Rauchen mehr angesprochen, als beim Dampfen: Der Raucher zündet sich an einer Flamme eine Zigarette an und bei jedem Zug leuchtet die Glut auf.

Diese leuchtende Glut wird noch von manchen Herstellern mobiler Liquidverdampfern insbesondere bei einer cigalike mit LED-Lampen nachgeahmt. – Bei den sogenannten “Vollblutdampfern” ist allerdings das Nachahmen einer Tabakzigarette verpönt.

Licht kommt allerdings durchaus per LED zum sinnvollen Einsatz für

  • die Darstellung von Information und
  • zur Steuerung geregelter Akkuträger: on/off, Ladezustand des Akkus, Spannung, Leistung, evtl. Logo des Herstellers oder Besitzer, möglicherweise ein Computerspiel etc.

Licht kann auch als Fun-Faktor eine Rolle spielen, indem beispielsweise der teiltransparente Liquidtank per LED in entsprechender Wunschfarbe aufleuchtet.

Weiterer optischer Genuss

Der weitere optische Genuss wird beim Raucher dann allerdings schnell getrübt durch den unvermeidlichen Anblick von Asche und Zigarettenstummeln, egal, wie hübsch anzusehen ein edles Raucherset – bis zur Benutzung – auch gewesen sein mag.

Dem Auge des Dampfers bietet sich ein gleichbleibendes Bild. Nur der Füllstand des Liquids verringert sich. Die Bestandteile des Dampfgeräts können, wie alle Gebrauchsgegenstände, mit der Zeit natürlich Abnutzungserscheinungen aufweisen. Oft genügt ein Darüberwischen mit einem feuchten Tuch.
Ab und an ergibt sich ein Verschleiß. dann ist der Verdampferkern auszuwechseln oder die Basis frisch zu wickeln. Doch das Gerät als Ganzes hat eine wesentlich längere Lebensdauer, als eine Tabakzigarette.

Überhaupt gibt es für das Auge sehr viel – bis unendliche – Abwechslung durch die Gerätevielfalt und ihren teilweise modularen Aufbau.
Mobile Liqudverdampfer bestehen meist aus den Modulen Akkuträger, Verdampfer und Mundstück.
Jedes Modul gibt es in unterschiedlichen Formen, Größen und Farben.

Dampfers Augen werden dabei z.B. automatisch geschult, “auf den ersten Blick” zu erkennen, was z.B. 22 Millimeter und was mehr Durchmesser hat. Auch ein Spalt von einem Millimeter kann fürs Auge sehr störend sein und entsprechend drängende Fragen nach “gefedertem Pluspol” oder Cone aufwerfen.

Liquid unterscheidet sich nicht nur nach Geschmack, sondern die Fläschchen und Verpackungen haben teilweise kunstvolle Aufdrucke. Als Accessoire gibt es unterschiedliche Nachfüllfläschchen und es gibt unendlich viele Hüllen, Taschen und Täschchen für Zubehör und Transport. Nicht weniger vielseitig gestaltet sich das Thema Bereithaltung und Aufbewahrung mit geschmackvollen Dampfständern, Akkurutschen, Koffern, Regalen und Schränkchen.

Viel zu sehen gibt es demnach in einschlägigen Shops, in Hochglanzmagazinen und auf Messen.

Wer mag, kann sich seine Geräte auch nachträglich bürsten, patinieren, gravieren oder vergolden lassen oder ihnen durch Hüllen oder Klebefolie ein individuelleres Aussehen verleihen.

Dampfer fotografieren ihre Kombinationen gerne und zeigen sie in einschlägigen Foren und Gruppen in den Sozialen Netzen:

  • als “Hand Check”, damit man beim Anschauen eher ahnen kann, wie klein oder groß die Geräte sind.
  • Andere legen Wert auf dazu passende Hintergründe, sodass Wohnung oder Garten mit dem mobilen Liquidverdampfer im Vordergrund ein harmonisches Bild ergeben
  • und wieder andere haben Spaß an der Anordnung regelrechter Stillleben.
  • Faszinierend sind “Coil-Porn” – Makroaufnahmen von kunstvollen Wicklungen verschiedenster Heizdrähte.

Mit mobilen Liquidverdampfern lassen sich Wolken unterschiedlicher Konsistenz und Menge erzeugen, deren Anblick wiederum unterschiedliche Stimmungen auslösen kann. Sie reichen

  • von Hysterie und Panik bei Rauchgegnern,
  • über Bewunderung für Cloud Chaser und Vape-Artists (Künstler, die interessante Dampfgebilde zaubern)
  • bis zur leichten Trance, um kreativen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Für Fotographen und Videokünstler sind Wolken ein weiteres – fast unerschöpfliches Motiv, mit dem sich experimentieren lässt.

Das Auge bekommt in der Dampferwelt also nicht nur viel zu sehen, sondern manche schulen es auch, sie Komponieren und Experimentieren, um noch vielfältigere, bessere Fotos zu schießen.

Wenn nach Jahren die Tapeten immer noch weiß sind, weil Dampfen keinen Teer hinterlässt, dann erfreut das nicht nur das Auge.

Haptischer Genuss

Durch die oben erwähnte Vielfalt der Geräte nach Formen und Größe, ergibt sich zusätzlich durch die Materialvielfalt und dem insgesamt damit verbundenen Gewicht ein gewaltiges Spektrum an Formen und unterschiedlichen Oberflächen zu ertasten. Wer mag nicht gerne einen Holzmod oder einen lederüberzogenen Akkuträger berühren, in die Hand nehmen und darüber streichen?

Manche Geräte dienen daher nicht nur dem Bereitstellen von frisch verdampftem Liquid, sondern bieten sich zusätzlich als wahre Handschmeichler an. – So sehr, dass man über Stunden ihre eigentliche Funktion fast vergisst.

Material und Form spielen nicht nur für Hände, sondern auch für Lippen und Mundraum eine interessante Rolle. Je nach Vorliebe, können Mundstücke abgeflacht sein oder rund, mit kleinem oder großem Durchmesser. Form, Material und Länge beeinflussen auch die Temperatur des zu inhalierenden Dampfes.

Etwas gepaffter Dampf, der sanft den Nasenflügeln entlang streicht, hoch über die Stirn gleitet, wirkt angenehm kühlend und erfrischend auf der Haut.

Einen besonderen haptischen Genuss erleben diejenigen, die selbst Akkuträger, Verdampfer und Mundstücke anfertigen.

Olfaktorischer Genuss

Der Raucher kennt den Geruch von Tabak, den Geruch von verbranntem Tabak und von “kalten Rauch”, der sich auf Oberflächen ablagert.

Den feinen Geruchsinn zurückzubekommen, wenn man nicht mehr raucht, ist für die meisten Dampfeinsteiger das erste große Aha-Erlebnis. – Wenn sie an anderen Menschen plötzlich wahrnehmen können, falls diese geraucht haben.

Plötzlich bietet das ganze Leben wieder mehr, deutliche olfaktorische Genüsse.

Physiologisch bewirkt ein Riechstoff, falls er im Gehirn als angenehm bewertet wurde, lt. Wikipedia

„eine vermehrten Ausschüttung von Acetylcholin, das über Acetylcholinrezeptoren die Ausschüttung von Dopamin und anderen Katecholaminen bewirkt. Diese Botenstoffe erzeugen positive Gefühle im Belohnungssystem, die letztendlich als Genuss empfunden werden.“

Bekanntlich macht Nikotin nichts anderes. So erklärt sich auch, warum es Dampfern relativ leicht fällt, sich das Tabakrauchen abzugewöhnen.

Anders, als zu Raucherzeiten muss nicht mehr ständig Energie aufgewendet werden für das Lüften und Waschen. Man braucht keine Rückstände des Rauchens übertönen mit allerhand Duftmittelchen, Neutralisierern etc. – sondern man kann sich seinem Dampfgenuss ohne Reue hingeben. – Bis auf mögliche Ausnahmen – die man aber steuern kann (ein anderes Liquid, kleinere Wolken).

Es ist auch ein psychischer Genuss, die olfaktorische Wahrnehmung der Mitmenschen nicht mehr unfreiwillig zu belasten, sondern frei auf sie zugehen zu können, weil der Geruch an Hände und in Haare nicht mehr eine Gewohnheit verrät, die heute weniger Menschen teilen.

Meist bekommt man zusätzlich noch Komplimente für den angenehmen Duft, den man beim Dampfen verbreitet. Auch Haustiere sollen auf den Duft durch Dampf zutraulicher reagieren, als zu Rauchzeiten.

Gustatorischer Genuss

Tabakzigaretten bieten aufgrund der wachsenden Reglementierung wenig Geschmacksvielfalt. Sie sind – mit ihrem eintönigen Geschmack allenthalben etwas Vertrautes. Sie können wenigstens eine Art Seismograph darstellen, um zu messen, inwieweit man z.B. eine Erkältung überwunden hat.

Olfaktorischer und Gustatorischer Genuss spielen beim “Schmecken” und somit natürlich auch beim Dampfen zusammen und entfalten nuancierte Sinnesfreuden auf bisher nicht gekannte Weise. Durch die Vielzahl möglicher Aromen ergibt sich ein breites Feld, duftenden Geschmacksdampf zu inhalieren,

Liquid einer bestimmten Geschmacksrichtung schmeckt von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Wer selbst mischt, weiß auch, dass selbst die Aromen bereits von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich schmecken.

Der Geschmack des Aromas wird beeinflusst

  • durch die Zusammensetzung der verwendeten Basis aus PG (Propylenglykol, richtiger 1,2 Propandiol) und VG (Vegetable Glycerin),
  • sowie durch den Anteil an Nikotin.

Beeinflusst wird der Geschmack des Dampfs außerdem

  • durch den Zustand der Wicklung
  • und darin verwendete Materialien (Drahtart, Watte, Glasfaser, Edelstahlsieb, Keramik).
  • Auch die Leistung, mit der gedampft wird, spielt geschmacklich eine Rolle.

Auf dem Markt gibt es Liquid für jeden Geschmack, Anspruch und Geldbeutel. Es gibt schlichte Liquidsorten und raffiniertere bis hin zu Premiumliquids.

Wer zu dampfen anfängt, wird vielleicht mit der Zeit heraus finden, dass sich seine Vorlieben für bestimmte Geschmacksrichtungen wandeln. Das stellt ein kleineres Problem dar, als wenn jemand sich auf einen Geschmack absolut eingeschossen hat und dieses Liquid vielleicht nicht mehr erworben werden kann. Daher lohnt es sich, offen zu bleiben, ab und zu Neues zu kosten.

Je nachdem, wie man dampft, wirkt sich das ebenfalls auf den Genuss aus. In der Dampferwelt wurde heraus gefunden, dass es zunächst globale (inzwischen einfach individuelle) Unterschiede beim Inhalieren gibt. Die einen sammeln den Dampf erst im Mundraum und inhalieren anschließend in die Lunge, die anderen (z.B. die Philippinen) ziehen den Dampf direkt in die Lunge. Und dazwischen gibt es viele weitere Variationen, wie das oben erwähnte leichte Paffen oder das Inhalieren bei leicht geöffnetem Mund, um zusätzlich zum Dampf noch Luft mit aufzunehmen.

Ebenso gibt es offenbar geschmackliche Vorlieben in manchen Ländern, auf die sich Hersteller entsprechend einstellen. Besonders beliebt waren lange Zeit Liquids aus Italien und England. Manche mögen die Liquids aus den USA, die in aller Regel und anders als z.B. in Kanada, recht süß schmecken.

Eine Sonderkombination der Genüsse sind “Liquidverköstigungen”. Videos, in denen ein oder mehrere Teilnehmer Liquids testen und ihren Zuschauern diesen Geschmack zu beschreiben versuchen. Meist handelt es sich um Marktneuheiten. Auch das Anschauen von Videos, in denen exotische und möglicherweise nur schwer zu besorgende Liquids besprochen werden, hat seine Anhänger. – Ganz zu schweigen von dem Spaß, wenn Liquids gedampft werden sollen, die nicht gerade jedermanns Sache wären.

Wer die Freuden des Selbermachens schätzt, kann sich vielleicht vorstellen, wie viel Vergnügen es bereiten kann, seine Liquids regelrecht zu komponieren. Ein schönes Beispiel findet sich beim Schweizer Vapor Stammtisch. Einer regelmäßigen Life-Veranstaltung im Internet, die Juli 2016 ihren Zuschauern die Möglichkeit bot, zuhause zeitgleich oder später das Gezeigte und Erklärte nachzumischen.

Genuss gestalten

Diese neue Welt des Genießens bringt natürlich auch insgesamt mehr Lebensqualität in den Alltag. So vielseitig das Dampfen ist, so vielseitig sind die Themen, über die man sich informieren und zu denen man sich untereinander austauschen kann.

Lernen bereitet zusätzlichen psychischen Genuss. Hinzu kommt die soziale Komponente: Man kann neue Menschen kennenlernen. “Um das volle Maß der Freude genießen zu können, muss man jemanden haben, mit dem man es teilen kann”, wusste schon Mark Twain. – Doch wer wäre früher auf die Idee gekommen, sich mit anderen Rauchern über Zigaretten zu diskutieren. Das Thema wäre sehr schnell erschöpft.

Möglicherweise ergeben sich mit dem Dampfen auch neue Hobbys oder man findet die Muße, sie zu vertiefen, wie z.B. das Fotografieren, oder das Schreiben.

Wer vorher geraucht hat, wird mit der Zeit den Druck verlieren, in bestimmten Situationen und in bestimmten Zeitabständen zu rauchen.

Man bekommt seine Utensilien nicht an jeder Straßenecke, hat dafür aber länger von ihnen und Stück für Stück werden Hast, Stress und Unruhe einer Zufriedenheit weichen, mit verhältnismäßig wenig Geld und Aufwand, vielfältigem Genuss zu frönen – ihn zu zelebrieren.

Ein gerne zitierter Ausspruch des Schweizers Walter Ludin lautet:

"Genieße das Leben. Was denn sonst?"

Doch schon Eduard von Bauernfeld wusste:

"Es braucht zu allem ein Entschließen - selbst zum Genießen."

Nur eines gilt es daher beim Einstieg ins Dampfen zu beachten. – Ein Spruch, der Helmut Glaßl, einem Thüringer Aphoristiker zugeschrieben wird:

"Das Habenwollen macht uns gierig, das Genießenkönnen glücklich."